Erwachsene und junge Menschen

Adultismus bezeichnet das Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern.

Einerseits sind Erwachsene diejenigen, die manche Entscheidungen für jüngere Menschen treffen müssen. Jüngere Menschen brauchen Bezugs-personen, die auf sie aufpassen und sich um sie kümmern.

Problematisch wird es, wenn Erwachsene z.B. Bedürfnisse, Grenzen, Gefühle und Aussagen junger Menschen nicht ernstnehmen. Das kann sehr direkt passieren ‘ach, quatsch, das ist doch gar nicht heiß/kalt/tut nicht weh/…’, wenn eine (verwandte) Person umarmt werden soll, oder auch indirekter.

Ängste, Wünsche und Bedürfnisse sollten genauso wie bei allen anderen auch ernst genommen werden . Ebenso wichtig ist es, sich ehrlich mitzuteilen und von eigenen Emotionen zu sprechen (aber auch darauf zu achten, junge Menschen nicht zu viel mit eigenen Emotionen zu belasten). Die Balance darin zu finden ist Übungs- und Verhandlungssache und kommt auf die Kapazitäten der betreffenden Personen an.

Kinder weniger ernst zu nehmen und sich selbst auf gemeinsamer emotionaler Ebene nicht anvertrauen, bedeutet, ihnen dadurch Sicherheit und Vertrauen zu nehmen. Kinder fühlen sich dann unsicherer, ängstlicher und verhalten sich misstrauischer gegenüber sich selbst, anderen Menschen und ihrer Umgebung.

Wir möchten Verständnis und Respekt füreinander üben, ohne die eigene Meinung über die anderer zu stellen, egal ob es Erwachsene sind oder Kinder, ältere oder jüngere Leute.

Kinder – junge Menschen

Ihr habt sicherlich schon gemerkt, dass wir manchmal von Kindern schreiben und manchmal von jüngeren Menschen. Das ist bewusst so passiert und es gibt nur ganz selten einen konkreten Grund, warum wir uns an der einen oder anderen Stelle für diesen oder jenen Begriff entschieden haben.

Vielmehr möchten wir mit der Nutzung der beiden Begriffe darauf aufmerksam machen, dass im Alltag gerade beide benutzt werden und es da eine Reflexion und Auseinandersetzung gibt. Wir wünschen uns, dass auch auf dem Camp beide Begriffe in unserem Sprechen sein können, ohne dass sich eine Person dabei komisch vorkommt oder unwohl fühlt.

Gleichzeitig sehen wir das Camp als einen Raum, in dem wir das Zwei-Schubladen-System, in dem es ‘Kinder’ und ‘Erwachsene’ gibt, die mit unterschiedlichen Zuschreibungen und Bewertungen bedacht sind, bemerken und hinterfragen können.
Wir möchten uns alle herzlich einladen, miteinander darüber im Austausch zu sein, wie wir eine Sprache und Haltung entwickeln und verselbstverständlichen können, die unterschiedliche Positionen, Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen berücksichtigt und gleichzeitig ermöglicht, dominante Zuschreibungen und Sortierungen zu vermeiden.

Dann können wir auch darüber nachdenken, welche alternativen Begriffe es für ‘Erwachsene’ geben kann. Ältere Menschen? Elewachsene? … Wir freuen uns auf die Auseinandersetzungen mit euch.