Umgang miteinander

Wir haben uns in der Vorbereitungsgruppe ein paar Gedanken darüber gemacht, wie wir uns den Umgang miteinander auf dem Camp vorstellen und wünschen. Hier sind einige Punkte, die uns bei unserem letzten Treffen beschäftigt haben. Auf dem Camp würden wir das gerne mit euch gemeinsam weiter entwickeln:

Neue Formen des Umgangs miteinander finden

Mit dem Begehren, Alternativen zu kapitalistisch geprägten, (hetero)normativen Lebensweisen zu erkunden, hängen auch Alternative Formen des Miteinanders zusammen.

Menschenverachtende Ideologien und (un_bewusste) Ausnutzung von Hierarchien, stehen unserer Vorstellung vom schönen Leben entgegen, darum wollen wir unseren Teil zur Überwindung dieser beitragen.

Selbstpositionierung
In der Gesellschaft gibt es unterschiedliche Hierarchien und das kann zu unterschiedlichen Diskriminierungen und (ungewollt) unachtsamen Verhalten führen. Besonders betroffen sind häufig Menschen(gruppen), die von einer jeweiligen gesellschaftlichen Norm abweichen.
Beispielsweise in Bezug auf Alter, Gender, Begehren, Körper, Race, Begehren, Einschränkungen unterschiedlicher Arten.

Diskriminierungen zu beachten und sichtbar zu machen ist wichtig, um darüber reden und sie verändern zu können.

Manchmal und gerade dann, wenn wir nicht von Diskriminierung betroffen sind, fällt es schwerer, diese zu bemerken. Deshalb ist es auch wichtig, uns gegenseitig aufmerksam zu machen und aufmerksam zu sein. Und sowohl eigene als auch andere Privilegien und Benachteiligungen zu reflektieren, um gemeinsam achtsamen, unterstützenden und empowernden Umgang miteinander zu ermöglichen!

Inklusion
Es ist nicht immer leicht, als „Neue“ zu einem unvertrauten Ort oder einer unbekannten Gruppe zu kommen. Manchen fällt es sicher nicht leicht, neue Menschen auf so einem Camp kennen zu lernen. Leute sitzen in ihren Gruppen, die sich kennen, eins willst du keine Gespräche stören.
Das Gefühl nicht inkludiert zu werden und fremd zu sein, weil unbekannt, das ist verunsichernd. Von anderen erst abgecheckt werden, ist verunsichernd und unangenehm.

Wie lassen sich Menschen besser in das Campleben inkludieren?
Wir können bei uns selbst anfangen und versuchen, unsere (oberflächlichen) Vor_urteile beiseite zu legen. Und Menschen ansprechen. Sie in Gesprächsrunden oder zu Aktionen einladen. Wir können sie auf dem Camp rumführen und etwas darüber erzählen.
Oft sind Möglichkeiten des Näherkennenlernens der Besuch von Workshops oder Beteiligung an kleinen Arbeiten.

Kommuikation
Es ist leicht, sich misszuverstehen oder Dinge aus einem eigenen Blickwinkel zu fokussieren. Manchmal sind wir uns eigener Privilegien nicht bewusst und_oder verletzen die Grenzen Anderer. Manchmal fühlen wir uns von bestimmten Dingen besonders betroffen und manchmal haben wir einen schlechten Tag. Wir können nicht wissen, woher jemensch kommt. Jede*r von uns kommt mit unterschiedlichen Vorraussetzungen, Erfahrungen, Überzeugungen. Wir können unterschiedliche Sprachen sprechen, selbst, wenn es die gleichen zu sein scheinen. Und es ist leicht, sich misszuverstehen.
Wir sind uns aber sicher, dass jede*r von uns gut mit uns und den Anderen hier umgehen möchte und wir alle Gespräche führen wollen, die uns bereichern.

Lasst uns daher
wohlwollend und achtsam miteinander sein
→ das heißt auch, nicht gleich negatve Intentionen anzunehmen, auch wenn uns ein Verhalten oder eine Aussage irritiert
zuhören und ausreden lassen
auf einfache Sprache achten (nicht-akademisch)
Zeit für Übersetzung lassen
eine Atmosphäre schaffen, in der sich möglichst alle wohlfühlen und sich zu äußern trauen
→ dh. auch Platz hat für „mutige“ Äußerungen, wie beispielsweise Benennung von Unsicherheiten, (Hinter-)Fragen, Kritik, Bedenken
aufmerksam machen auf entstehende Rededominanzen oder Zweiergespräche
→ manchmal brauchen Gedankengänge, Erklärungen mehr Zeit als andere, manchmal erfordern bestimmte Themen mehr Aufmerksamkeit, manchmal haben Menschen mehr Wissen in einer Sache als andere und können uns deshalb viel erklären, und es ist schade, wenn das mit dominantem Redeverhalten gelabelt würde
selbstreflektiert und verständnisvoll zu sein, es zu versuchen und zu üben
→ manchmal erscheinen uns Dinge als selbstverständlich, die es für andere nicht sind (das kommt auch in Blasen vor)
→ manchmal erwarten wir Dinge unhinterfragt und unkommuniziert von Anderen, gerade dann, wenn sie uns als selbstverständlich erscheinen, was zu Unverständnis und Missmut führen kann
Kritik annehmen und überdenken, statt direkt abzuwehren
→ ein guter Umgang mit Kritik ist, sich erst einmal zurückzuhalten
→ versuchen, Kritik nicht zu persönlich zu nehmen
kein Shaming!
Intervention / Eingreifen
→”Stopp!” sagen, wenn etwas zu viel wird oder Andere bitten, das für mich zu tun
→bei Bedarf rausgehen oder sich anders zurückziehen
→bei Bedarf Unterstützung von Awareness-AG in Anspruch nehmen

Alle Teilnehmer*innen sind verantwortlich, auf ein rücksichtsvolles Miteinander zu achten.!

Awareness
Wir wollen, dass sich Menschen hier auf dem Camp miteinander wohlfühlen und sind überzeugt, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.

Trotzdem sind wir auf dem Camp nicht frei von Macht- und Unterdrückungsmechanismen, die in dieser Gesellschaft alltäglich und dadurch auch teilweise unsichtbar sind. Wir machen unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Positionen, werden auf unterschiedliche Weisen diskriminiert und benachteiligt und haben unterschiedliche Privilegien.
Das bezieht sich beispielsweise auf Passing in oder Ausschluss von bestimmten sozialen Gefügen, auf unser Begehren, unser Alter, unsere körperliche Verfasstheit, Körpernormen, gesellschaftliche oder kulturelle Einschreibungen und Erwartungen, unsere Bildung, unser Gender…
Manchmal sind uns unsere Privilegien aber auch Diskriminierungen und Diskriminiertwerden nicht bewusst. Es ist deshalb wichtig,dass wir uns das (gegenseitig) bewusst machen und uns damit auseinandersetzen, und (uns) hinterfragen.

Wir wünschen uns, dass alle gemeinsam achtsam und verständnisvoll sind und sich für das Zusammenleben auf dem Camp verantwortlich fühlen, sensibilisieren und Position beziehen, wenn sie diskriminierende Situationen miterleben. Wir wollen auf unsere und die Grenzen anderer achten.

Was für mich keine Grenzüberschreitung ist, kann es für andere sein. 

Grenzüberschreitung und Disriminierendes Verhalten
Und ist wichtig:
– Personen auf grenzverletzendes oder_und diskriminierendes Verhalten anzusprechen. Das muss nicht immer durch die betroffene Person geschehen und fühlt sich sicherer, empowernder und solidarischer an, wenn auch andere für eine Person sprechen
– zu akzeptieren, wenn Personen sich erst mal aus einem Gespräch zurückziehen und nicht mehr über etwas reden möchten
– Menschen nicht gleich mit einem „_istisch“ (z.b. das ist doch sexistisch, rassistisch, ..) zu labeln und dabei zu belassen, sondern ihnen zu erklären oder von einer gewählten Person erklären zu lassen, warum eine Äußerung oder Handlung problematisch war. Wir wissen, wie schwierig, ermüdend oder auch nervig das manchmal sein kann, aber es wäre schön, wenn wir nicht gleich das Schlimmste vermuten. Und als politischen und solidarischen Anspruch doch auf- und erklären wollen, um zu sensibilisieren und Veränderungen zu schaffen
– das Themen (auf achtsame Art in angemessen Situationen) offen angesprochen werden können. Alle Menschen haben mit Diskriminierung zu tun, alle haben Bilder im Kopf (rassistische, sexistische, adultistische,…) und das ist erstmal leider so. Wenn wir aus Angst oder Schuldgefühl nicht darüber reden, bleiben wir stehen.

Auf dem Camp wird es einen Awareness-Workshop geben und ihr könnt euch gerne beteiligen beim Awareness-Team.

Grenzverletzende Situationen
Für solche Situationen gibt es unterschiedliche Unterstützungsmöglichkeiten: Rückzugsorte wie dem Rückzgszelt oder das Awarenessteam.

Awareness-Team
Das Team besteht aus Ansprech- und Begleitpersonen. Es ist dafür da, dass du dich an jemanden wenden kannst, wenn du dich beispielsweise unwohl fühlst, Diskriminierung erfahren hast, dich zurückziehen möchtest und_oder Unterstützung brauchst.
Je nachdem, was du gerade brauchst, können wir mit dir oder für dich sprechen, dir aktiv zuhören, gemeinsam schweigen spazieren gehen..
Du musst nicht mehr erzählen, als du erzählen möchtest und glauben dir, was du erlebt hast. Das Erleben der betroffenen Person steht im Mittelpunkt und wird nicht in Frage gestellt.
Die Unterstützung des Awareness-Teams soll sich dann soweit wie möglich nach den Wünschen dieser Person richten. Wir handeln nur, wenn und wie du das möchtest.
Alles Mitgeteilte wird vertraulich behandelt und nicht weitergegeben, außer du möchtest das.

In der Awareness-Gruppe gibt es unterschiedliche Erfahrungen in Bezug auf grenzverletzendes Verhalten. Wir sind keine professionellen Berater*innen und können daher nur erste Unterstützung sein. Deshalb kann es sein, dass wir in Absprache mit dir, je nachdem, was dir passt, Unterstützung dazuholen.

Gerne kannst du auch Personen mitbringen.

Awareness-Personen erkennst du an einem farbigen Gaffa-A erkennen.

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